Verwandtschaftsverhältnisse

Josef Maria Müller ist mein Ururgrossonkel. Er lebte in Gersau und hat den untenstehenden Bericht über seine Dienstzeit als Scharfschütze 1866-1868 in den päpstlichen Truppen geschrieben.

Winterthur, den 17.3.2002, Andreas Renold



Begleitbrief


Weihnachten 1963

Meine Lieben,


Als bescheidene Weihnachtsüberraschung möchte ich Euch ein kleines Büchlein überreichen. Es enthält die Eindrücke und Erlebnisse, die unser Grossvater bzw. Urgrossvater auf seiner im Jahre 1866 unternommenen Reise von Gersau nach Rom und während seines zweijährigen Militärdienstes als Scharfschütze im Dienste des heiligen Vaters hatte. Den Notizen kommt also historischer Wert zu.

Die Aufzeichnungen sind einem kleinen, alten, zum Teil vergilbten und abgegriffenen Büchlein entnommen, in das seinerzeit unser Gross- bzw. Urgrossvater, Josef Maria Müller, Landweibel, seine Notizen in altdeutscher Schrift machte.

Unsere liebe Cousine, Hermine Renold-Rohr, nahm sich die grosse Mühe und die zeitraubende Arbeit, die Aufzeichnungen in unsere heutige lateinische Schrift zu übertragen und eine treue Bekannte von mir hat den Entwurf ,,ins Reine" geschrieben

Ich hoffe, dass ich Euch damit Freude bereiten kann und dass das Büchlein ein Stück Familientradition lebendig zu erhalten vermag.


Josef Müller-Brand



Kleber auf dem Reisebericht:


FAM. A. RENOLD

Erismamistr. 53

ZUERICH 4

Dezember 1963


Kurze Notizen betreffend meiner Reise von Gersau nach Rom und zurück, sowie auch über die 2 Jahre, welche ich als Scharfschütze dem hl. Vater in Rom diente von J. M. Müller, Landweibel, Gersau


Es war anno 1866 als ich den 25.Februar den Entschluss fasste, nach Rom mich anwerben zu lassen. Am 26.Februar 1866 ging ich nach Schwyz, nahm bei Melchior Reichli in Ibach Reisegeld nach St. Luis im Elsass. Abends dieses Tages kam ich per Dampfboot nach Luzern, war bei den 3 Königen über Nacht. Morgens 5 Uhr des andern Tages fuhr ich mit der Eisenbahn nach Basel, eine grosse schöne Stadt. 10 Uhr war ich in St. Luis, wurde visidiert, unter die päpstlichen Scharfschützen angenommen. Nachmittags Ausflug nach Grosshüningen. Grosse Befestigungen gegen Basel. Abends 3 Uhr war oberflächliche Inspektion vom Pfarramt in St. Luis, ob wir katholisch seien. In St. Luis traf ich auch den Fidel Kamenzind von Gersau als Musiker, mein Kollege. Nach der obgenannten Inspektion fuhren wir per Bahn über Altenkirchen, Mülhausen nach Belfort, wo wir um 8 Uhr ankamen. Den 28.Februar morgens 5 Uhr Abfahrt per Bahn nach Belfort durch sehr wilde Gegenden mit grossen Tunnels über Besançon, grosse Stadt mit Festung nach Lion, allwo wir um 5 Uhr abends anlangten. Lion ist eine sehr grosse Stadt, an einem grossen Flusse, Loire genannt. Hier hatten wir ein sehr gutes Nachtessen mit Linsenmus und Limburgerkäse, in einem Wirtshaus auf dem imposanten Napoleonsplatz. Abends 8 Uhr wieder Abfahrt per Bahn nach Lion. Es wurde die ganze Nacht zugefahren, von Schlafen war keine Rede.

Morgens 9 Uhr waren wir in Marseille. Sehr grosse Hafenstadt. In dem kolossalen Hafen, wo die grossen Meerschiffe zu Hunderten vor Anker lagen, schifften wir uns um 11 Uhr dieses Tages, es war Donnerstag, auf einem grossen Dampfer ein. Es waren im ganzen 49 Scharfschützen-Rekruten und 200 Züge Rekruten nebst vielen andern Passagieren auf dem Schiffe. Als das Schiff die Anker lichtete, fing es zu schaukeln an. Ich lachte anfangs und stieg auf eine grosse Kiste, um eine bessere Aussicht auf die Stadt Marseille zu haben. Es kam aber bald anders. Ich musste von der Kiste herabsteigen und mich stark erbrechen und ich bekam die Seekrankheit so stark, dass ich ohne Besinnung auf dem Bordboden lag. Andere konnten mich herumschupfen, konnten mich ankotzen. Es regnete später sehr stark auf mich herab und stürmte heftig dazu, ich merkte es nicht. Als ich nach 2 - 3 Stunden wieder besser wurde, waren wir schon weit von Marseille entfernt und es stürmte auf dem offenen Meere so heftig, dass die Wellen über das Dampfschiff schlugen und man nicht stehen konnte. So war es die ganze Nacht. Obdach hatten wir Soldaten keines. Wir mussten auf dem freien Verdeck bleiben und mich fror es sehr in meinen nassen Kleidern. Schlafen oder liegen konnten wir nur auf dem blossen Boden und Decken hatten wir auch keine. Ich habe keine halbe Stunde geschlafen beide Nächte, wo ich auf dem Meer war. Freitagmorgen war es wieder ruhiger. Morgens hatten wir alten Zwieback, Wein und Käse. Mittags und abends Specksuppe sehr kräftig, Schwinis, Brot und Wein. Die Kost war genügend und kräftig. Nur wenn man seekrank ist, so hat man keinen Appendit. Freitag war ich aber wieder ziemlich gesund. Es hatten von uns beim Einsteigen in Marseille mehrere Flaschen Wein und andere Getränke in den Taschen, es wurden aber beim Einsteigen alle untersucht und es wurde von den Matrosen alles abgenommen. Ich war sehr froh dass ich nichts hatte. Freitags waren wir von Mittag bis Abend 5 Uhr in Livorno, einer piemontesischen Hafenstadt vor Anker, aussteigen konnten wir nicht, es kamen aber sehr viele Schaluppen zu uns, hatten uns allerlei Esswaren feil, nur mussten wir mit einer Schnur die Sachen in einem Körbchen aufs Schiff heraufziehen.

Samstag, 3.März kamen wir um 9 Uhr in Civitavechia an, sehr alte päpstliche Hafenstadt und wurden dort um 11 Uhr ausgeschifft. Wir konnten nun bis abends 3 Uhr die Stadt besichtigen, dann mussten wir in die Eisenbahn einsteigen und fort gings der ewigen Stadt zu. Während der Fahrt sahen wir sehr viele Ochsen mit ungeheuren Hörnern und Schafherden zu tausend auf den Feldern. 7 Uhr abends kamen wir in Rom an. Es war Nacht. Wir mussten über Maria Maggiore nach dem Hauptquartier der Scharfschützen-Kaserne, welche nahe beim Platz dieser Muttergotteskirche ist, marschieren. Hier nahmen uns die anwesenden Scharfschützen freundlich auf und wir bekamen in der Militärkantine ein gutes Nachtessen. Nach Beendigung desselben, marschierten wir unter Begleitung eines Scharfschützen nach dem Platze Bogeti Verita an der Tiber, nahe an dem Orte, wo dieser Fluss dann die Stadt Rom verlässt und wir Rekruten bezogen dann eine Kaserne.

Morgens war Sonntag und ich glaubte, das erste sei in die Kirche zu gehen und in Rom, wo es bei vierhundert Kirchen hat, sollte das keine Schwierigkeit sein und doch wurden wir in keine Kirche geführt, um eine hl. Messe anzuhören, sondern wir mussten auf die Kaserne, um Doktorvisiten zu passieren, hernach wieder in unsere Kaserne und durften nicht ausgehen, denn das Haar musste uns zuerst geschnitten werden, bevor wir in die Kirche durften. In eine Kirche kamen wir nicht mehr, aber das Haar wurde uns während des Tages geschnitten und so durften wir gegen Abend ausgehen und besuchten einen kleinen Hügel, nahe bei unserer Kaserne, der Kacheliberg genannt. Dort geniesst man eine schöne Aussicht auf einen grossen Teil der Stadt Rom. Am Fusse sind Wirtschaften, wo man sehr guten Wein, aber etwas teuer, bekommt. Was das oben gerügte nicht in die Kirche führen an diesem Sonntage anbetrifft, so hatte mich das sehr befremdet. Als ich aber länger in Rom war, konnte ich sehen, dass es unter den Scharfschützen viele Offiziere und Unteroffiziere gab, welche auf dem Kirchengehen nicht viel hielten, diese waren nur zum Parademachen und zum Wein saufen in Rom. Der hl. Vater und die Religion waren ihnen nur, wenn es ihnen passte der Vorwand, warum sie in Rom seien, sonst aber waren sie nur da, um in der schönen Uniform ihren Stolz zu zeigen, die Soldaten auf alle Weise plagen und zu traktieren, sie zu betrügen auf alle Weise und ihnen den Sold so viel wie möglich auf irgend welche Weise abzuzwacken, damit sie gut essen und trinken konnten. Dass ein solches Beispiel auch auf die Soldaten Einfluss ausübte, ist begreiflich, da die Scharfschützen besonders aus verschiedenartigen Elementen zusammengesetzt waren. Da waren Deutsche aus allen Gauen Deutschlands und Schweizer aus fast allen Kantonen. Auch waren nicht alle mit einem guten Leumund versehen. Viele waren nach Rom gegangen, um der Strafe in der Heimat für irgend ein vollbrachtes Vergehen auszuweichen. Man musste nur die abscheulichen Reden anhören, welche dieselben gegen die hochw.Geistlichkeit, über die kathol. Religion und gegen die Sittlichkeit führten, dann konnte man sich von der Moralität der päpstlichen Scharfschützen einen Begriff machen. Ich glaube, dass die Freimaurer keine schlimmere Truppe für den hl. Vater hätten anwerben können Aber lieber Leser, du sagst, wie war das möglich. Ja, ganz gut, ich will Dir nur sagen, wie es auf dem Anwerbebureau zugegangen ist. In St. Luis war es so, da war ein Leutnant der das Bureau leitete, ferner ein Sekretär und 2 Sergenten oder Wachtmeister. Der 0ffizier, der nahm sich um das Werben nicht viel an, als dass er die Provision für jeden Angeworbenen beanspruchte. Aus diesem Grunde war es ihm recht, wenn die Sergenten recht viele Subjekte, mochten sie dann sein wie sie wollten, auftreiben konnten. Hatten die Angeworbenen Schriften, so war es recht, sonst wurde dann vom Sekretär und den Sergenten schon auf irgend eine Weise nachgeholfen. Ich kannte in Rom unter den Scharfschützen mehr als einen, der unter einem falschen Namen da war. Solche welche aus der Preussisch-Deutschen Armee anno 1867 desertiert waren, kannte ich auch einige. Kurz und gut, wenn einer nur von weitem den Anschein hatte, dass er als Soldat zu gebrauchen sei und ein Gewehr tragen könne, so war man in dem Werbebureau zufrieden. Was einer nebst dem sei, gut oder bös, Jud oder Heid, Katholik oder Protestant, über solches half man sich schon hinweg. Protestanten habe ich in Rom unter meiner Kompanie viele gekannt, und doch waren dieselben von den Werbern auch als Katholiken nach Rom geliefert worden. War man in Rom, so ging es dann schon. Die höheren Offiziere kümmerten sich wenig um uns und die andern liessen, was die Moral anbetrifft, fünf gerade sein, wenn es nur kein Aufsehen machte, so konnte schon etwas geschehen. Ich sagte vorher, dass das Beispiel der Vorgesetzten auf die Soldaten nicht ohne Einfluss blieb. Natürlich konnten die Soldaten nicht einander selbst betrügen, hie und da geschah solches auch. Aber im grossen und ganzen wandte man das Betrügen nur gegen die Bürger an. Hauptsächlich gegen die Wirte und die welche Spezereien und Proviant feil hatten. Ich sah mehr als einmal, wie Soldaten (ich rede da nur immer von den Scharfschützen) mehrere miteinander in Wirtschaften kamen, sich mit Wein, Fleisch und Brot bedienen liessen und dann bei einer günstigen Gelegenheit sich ohne Bezahlung davon machten. Der Wirt hatte dann das Nachsehen. Die Betreffenden auf den Strassen und Gassen im Menschengewimmel herauszufinden wäre unmöglich gewesen und dann hätte man auch Unschuldige erwischen können. Denn wenn ein Bürger unrecht hatte, dann waren die Offiziere nicht am Besten auf ihn zu sprechen. Prügel hätte er dann schon erhalten. Dass wir auf solche Weise uns nicht beliebt machten, das versteht sich von selbst und wenn es Bürger gab, welche unter der Regierung des hl. Vater nicht zufrieden waren, so tragen die Scharfschützen nicht die wenigste Schuld. Denn ich hörte wohl dutzendmal von meinen Kollegen sagen, dass man den Bauern und Bürgern keine Rücksicht tragen müsse, sondern man solle ihnen nehmen was man könne und sie betrügen so oft es gehe und dass diese Losung fleissig befolgt wurde, davon könnte mancher Bauer, Wirt oder Krämer genügend erzählen.

Ich habe mich oft geschämt bei den Scharfschützen zu sein und habe mich zu den päpstlichen Zuaven gewünscht und doch waren sie von den Unsern so gehasst und wurden bespöttelt. Warum? Weil die Zuaven die grössten Vergnügen eben nicht in dem fanden, sich so oft man kann zu berauschen und die Bürger zu beschummeln. Nein, die Zuaven waren christliche Soldaten und als solche gaben sie jedem was ihm gehörte, waren froh und zufrieden, erfüllten ihre Standespflichten mit Eifer und gutem Willen, besonders aber zeichneten sich dieselben durch ihre tiefe Religiösität aus. Ja die Zuaven konnte man mehr in der Kirche als im Wirts- oder Weinhause treffen in ihrer freien Zeit. Und wenn sie Unterhaltung suchten, so gingen sie in ein Kaffeehaus und machten ein Spiel miteinander. Die Zuaven, ja die waren wahrhaft christliche Soldaten, die waren aus Liebe zum hl.Vater und zur Unterstützung seines Thrones in Rom und hatten nicht, um irgend einer Kalamität zu entfliehen, die Heimat verlassen. Und tapfere Soldaten waren die Zuaven. Ja, wie sie kämpften, ich sah sie bei Montana und musste ihre Tapferkeit bewundern, mochte ich wollen oder nicht. Dieses ist aber auch eine unumstössliche Wahrheit, dass christliche, fromme Soldaten tapferer sind als solche die meinen, nach dem Tode sei alles aus. Die Zuaven hatten aber auch Offiziere die ihnen ein gutes Beispiel gaben und für ihre religiösen Bedürfnisse sorgten, besser als die Unsrigen. Hievon nur ein Beispiel: Vor der Schlacht bei Mentana wurde den Zuaven 1 bis 2 Tage vorher der bevorstehende Kampf angezeigt und ihnen und den Obern Gelegenheit gegeben, die hl. Sakramente der Busse und des Altars zu empfangen und sie wurden zu diesem Empfange ermuntert. Bei uns, obwohl wir es gewiss ebenso nötig gehabt hätten, uns mit dem lieben Gott vor einem so grossen bevorstehenden Kampfe auszusöhnen, geschah nichts dergleichen. Dass es zum Kampfe gehe, wussten wir schon lange, aber wann? Das wurde uns nicht so genau angegeben. Vom Beichten und Kommunizieren sagte bei uns keine Seele etwas.

Wenn ich noch einmal jemanden einen Rat geben müsste, so sollte er sich hüten vor den Deutschen und Schweizeroffizieren. Sie sind nur Grosshansen und kennen nichts als einen übermässigen Stolz.

Am 5.März 1866 wurde ich dann als Scharfschütze eingekleidet. Hernach mussten wir uns dem Oberst Bfanray und hernach dem General Zagei vorstellen. Bei dieser Gelegenheit erhielt ich wegen einem kleinen Fehler vom Feldweibel Rickenbach von Arth 4 Tage Confine, das heisst, ich durfte 4 Tage lag die Kaserne nicht mehr verlassen. Am 11. März wurde ich zu der ersten Compagnie der Grenadiere zugeteilt und kam dann nach St. Martini, allwo diese Compagnie lag. St. Martini war ein Kloster und wir, die wir in den Kreuzgängen unsere Lagerstätten aufgeschlagen hatten, sahen die Mönche manchmal in ihrem weissen Habicht an uns vorbei um Mitternacht in die Kirche, welche an das Kloster angebaut war, zur Mette eilen, um dort das Lob Gottes zu singen, während wir Weltmenschen gemütlich der Ruhe pflegten und uns dem Schlafe überliessen.

Bevor ich noch zur ersten Compagnie kam, besuchten ich und der Fidel Camenzind den St. Peter. Was diese gewaltige Kirche zum erstenmal für einen Eindruck macht, ist sehr gering. Wie öfter man sie aber besucht, desto grösser erscheint sie dem Besucher. Man kann den gewaltigen Eindruck eben nur allmählich in sich aufnehmen. Wenn Du in Einsiedeln die grosse, prachtvolle Wallfahrtskirche siehst, so wirst Du staunen und sagen, dass es wohl wenig schöneres und grösseres geben werde. Aber gegen die St. Peterskirche ist die Einsiedlerkirche doch nur eine grosse Kapelle. Der St. Petersplatz ist auch gewaltig gross und schön. Hier besuchten wir auch den Balz Rigert sel. vom Rössli, welcher schon 12 Jahre unter der Garde war. Er hatte eine grosse Freude uns zu sehen und er gab uns verschiedene Ratschläge und auch ein gutes Glas Wein. Ich habe Herr Rigert öfters besucht, er war mir immer ein recht väterlicher Freund und erwies mir viel Gutes, wofür ihm der lb. Gott reichlich vergelten wolle.

Als ich am 11. von Bogi di verita nach St. Martini marschieren musste unter sehr heftigem Regen, sodass wir bis auf die Haut durchnässt in St. Martini ankamen und dort am Luft in den nassen Kleidern 2 bis 3 Stunden stehen mussten, kriegte ich den Katarrh, sodass ich mich morgens krank melden musste. Den 14. war ich schon wieder besser, sodass ich auch zum Exerzieren nach St. Giovanni ausrücken konnte. St. Giovanni oder St. Johannes in Lateran ist eine von den Hauptkirchen Roms, sehr prachtvoll. Links vom Lateran befindet sich eine Stiege, worauf unser Herrgott zum Pilatus geführt wurde und worauf man nur auf den Knien heraufrutscht. Zum Hinabgehen sind auf beiden Seiten andere Stiegen. Etwas weiter entfernt von Lateran befindet sich das St. Cruze, oder die heilige Kreuzkirche, worin das hl. Kreuz vom lb. Jesus, woran derselbe sein heiligstes Blut zu unserer Erlösung vergossen hat, aufbewahrt wird und noch einige Leidenswerkzeuge gezeigt werden. Zwischen diesen beiden Kirchen ist ein grosser Raum, grösstenteils mit Moosen überwachsen, welcher Raum zum Exerzieren benutzt wurde. Ende März musste unsere Compagnie die Garnison wieder wechseln und dieses Mal kamen wir nach St. Paul ausser den Mauern. Auch da war wieder ein Kloster und wir brauchten nur einen Flügel von dem gewaltigen Bau. An diesem war die St. Paulskirche, auch eine Hauptkirche, angebracht, diese ist sehr gross und kostbar, die zweitgrösste Roms. Schöner Marmorboden und solche Säulen, 4 Reihen, mehrere grosse Seitenkapellen, überaus grosse Altäre, schön gemalte Glasfenster, die Apostel vorstellend an der inneren Schiffswölbung die Porträts sämtlicher Päpste in Mosaik. Am Oster- oder 7 Gründonnerstag war für die älteren Soldaten grosses Ausrücken nach St. Peter. Obwohl es eine gute Wegstunde war, ging ich auch hin. Es war unermesslich viel Volk in der Kirche, die Zeremonien währten bis 12 Uhr mittags von morgens 8 Uhr an. In der Kirche waren, um das grösste Gedränge zu verhindern, mehrere Truppen aufgestellt. Die Garde Palatin machte in ihrer mit Gold sehr reich verzierten Uniform am meisten Effekt. Es sind dies alles vornehme römische Bürger, welche freiwillig dieses Korps gegründet haben und ihre Uniform selbst anschaffen und dem Papst an hohen Festen und ähnlichen Anlässen zu seinem Schutze und zu seiner Ehre sein Ehrenwache bilden. Vor 12 Uhr mittags sammeln sich das Volk und die Truppen auf dem grossen St. Petersplatze. Damals rückten mehrere Regimenter Franzosen, welche damals noch in Rom waren, auf den Platz, auch mehrere Schwadronen Dragoner und reitende Gendarmen. Der hl. Vater erschien in Begleitung von seinen Kardinälen auf dem Balkone der Peterskirche und erteilte mit lauter, weithinschallender Stimme der ganzen Christenheit den hl. Segen. Alles Volk und Militär fällt auf die Knie. Nach dem hl. Segen wurde der hl. Vater mit lautem nie endenwollendem Jubel begrüsst, die Regimentsmusiken bliesen alle den Fahnenmarsch. Es war ein sehr erhebender Anblick.

Am 12.April war ein grosses Fest. Die Römer feierten an diesem Tage zwei wichtige Ereignisse aus dem Leben des hl. Vaters Papst Pius IX. Nämlich die Rückkehr des hl. Vaters aus der Verbannung von Creta und der wunderbaren Lebensrettung des hl. Vaters im Kloster St. Agnese ausser den Mauern Roms. An diesem Abend konnten wir bis nachts 12 Uhr ausbleiben. Es war eine sehr brillante Beleuchtung der ganzen Stadt. Ja, einige Plätze und Strassen waren überaus glänzend beleuchtet, zu tausend und abertausend waren da Lichter in verschiedenen Farben angezündet. Nebstdem prangten Transparente künstlich ausgeführt mit dem Wappen des hl.Vaters und sehr sinnvollen Inschriften. Jede Säule, jeder Brunnen auf den Plätzen waren auf das prachtvollste beleuchtet. Auf jedem grösseren Platze spielte eine Feldmusik auf eigens hiezu errichteten Bühnen ihre schönsten Weisen. Die Menge, welche auf den Strassen und Plätzen hin- und herwogte, war zahllos. Es war ein sehr gelungenes Fest, sodass man nichts schöneres sehen kann.

Von St. Paul machte ich auch einmal einen Spaziergang nach dem Orte, wo der hl. Apostel Paulus enthauptet worden ist. Es sind dort 3 Kirchen erbaut und 3 Brunnen, welche dort gezeigt werden, sollen von der Stunde an entstanden sein, als das hl. Haupt des hl. Paulus den Boden 3 mal berührte. Dieser Ort liegt von der Hauptkirche St. Paulus etwa noch eine Stunde weiter auswärts.

Am 15. Mai mussten wir nachts 1 Uhr von Rom abmarschieren, weil wir unsere Garnison auf dem Lande, in der Campagna beziehen mussten. Wir gingen gerne. von Rom auf die Campagna, weil man uns sagte, dass man dort billigere Weine und Früchte bekommen werde. Jedoch wurde unsere Freude bedeutend herabgestimmt, durch die schauderhaften Erzählungen, welche uns die älteren Soldaten über die Taten der Briganten, welche die ganze Campagna mit Schrecken erfüllen sollten, berichteten. Ich hatte besonders Ursache, mich über den Abmarsch von Rom nicht zu freuen. Vor einigen Tagen hatte ich nämlich in einer Osteria zu St. Paul an der Tiber ein Glas Wein und etwas Salami und Brot genossen, davon hatte ich sehr starkes Abführen bekommen, sodass ich ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen musste. Als Befehl zum Abmarsch kam, war ich zwar wieder hergestellt, jedoch noch sehr schwach und doch glaubte ich, dass ich auch mitgehen müsste. Bevor wir abmarschierten, erhielten wir einen schwarzen Kaffee ohne Schnaps aber ein Stück Brot dazu. Nun das ist eben keine Stärkung für einen nüchternen Magen und als wir nach 8 Stunden angestrengten Marsches am Ziele des ersten Tages in Colonna anlangten, war ich so schwach, dass ich fast nicht mehr stehen konnte. Wir mussten dort am Fusse des Hügels auf welchem Colonna liegt Zelte aufschlagen. Ich begab mich sofort in dasselbe, vergass aber nicht, vorher einem Kameraden meine Feldflasche mit Geld zu geben mit dem Auftrage, mir vom besten Wein zu bringen. Der Kamerad, ein Unterwaldner, brachte mir wirklich sehr guten Wein, welcher mich stärkte. Nach Mitternacht wurde bald aufgebrochen. Es war sehr heftiges Regenwetter. Diesen Tag musste ich nicht marschieren, ich konnte auf einem mit Ochsen gezogenen und mit Kisten vollgestopften Leiterwagen die Tour mitmachen, aber weil die Fahrt sehr langsam vonstatten ging und ich mich nicht bewegen konnte, ja ich war eingepfercht, dass ich mich nicht rühren konnte, so kam ich in Valmontone ermüdeter an, als wenn ich ohne Sack zu Fuss gegangen wäre. Valmontone lag nicht so hoch auf einem Hügel und wir. konnten in dem Städtli Quartier beziehen. Vielmehr wir kamen compagnieweise in eine Scheune oder ein unbewohntes Haus, wir waren 5 Compagnien und konnten auf Streu liegen. Jedoch war es besser als im Freien. Auch hier hatte es guten Wein und infolge Genusses desselben kehrte die Kraft mir wieder allmählich, sodass ich am Morgen des 17.Mai zu Fuss, freilich noch ohne Sack, nach Anagni marschieren konnte. Dort sollten wir zuerst am Fusse des Berges Zelte aufschlagen, es war fast schon geschehen, als Generalmarsch geblasen wurde und wir in die Stadt Anagni, welche ziemlich hoch liegt, einziehen mussten. Zuerst Aufstellung der 5 Kompagnien auf dem Hauptplatze, hernach konnten wir dann ausser der Stadt in ein grosses Gebäude einziehen. Hier wurden sehr grosse rote Kirschen feilgeboten. Ich kaufte auch 2 Pfund, sie waren sehr gut. Am 18. morgens mussten die 5 Kompagnien sich trennen, 2 Komp. marschierten nach Frosinone, 1 Komp. nach Alatri, eine an die napolitanische Grenze und meine Compagnie kam nach Ferentino, etwa 3 Stunden von Anagni. Ferentino ist eine alte Kaiserstadt und Sitz eines Bischofs und soll 15'000 Einwohner haben. Sie liegt auch ziemlich hoch auf einem Hügel. Wasser ist hier nicht gut, nur Regenwasser aus Cisternen. Das Brunnenwasser musste zirka 1 halbe Stunde mit Eseln geholt werden. Dafür hatte es billigen guten Wein, auch Kirschen und Feigen gab es da in Mengen sowie noch andere Südfrüchte. Es ist eine sehr fruchtbare Gegend. Kirchen hat es 9 in der Stadt und es wurde noch eine neue Domkirche gebaut. Auf dem Hauptplatze der Stadt genoss man eine sehr schöne Aussicht, zirka 14 Städte und Flecken konnte man zählen. Abends nach unserer Ankunft eröffnete uns der Hauptmann, dass wir mitten in der Gegend seien, welche die Briganten so sehr in Schrecken gesetzt haben und wir sollen uns nicht von der Stadt entfernen, erstens weil die Briganten auf den Spaziergängen ausser der Stadt uns leicht angreifen könnten und zweitens weil wir immerfort bereit sein sollen, unseren Kameraden, welche in den umliegenden Städten in Garnisonen liegen, zu Hilfe zu eilen. Ferner eröffnete er uns, dass morgens die Hälfte der Compagnie mit dem Oberleutnant nach Collepardo, für einige Zeit bleibend, abmarschieren müsse. Dass uns solche Eröffnungen nicht stark freuten, versteht sich von selbst. Wir bekamen nun ordentlich Furcht vor den Briganten. Das hohe Fronleichnamsfest kam heran und die gefürchteten Briganten hatten uns noch nicht geholt. Wir konnten an diesem Tage zur Ehre Gottes in dem grossen Tenue ausrücken, das heisst, wir hatten den schönsten Waffenrock und die schönsten Kleider an, auch den Federstrauss auf den Tschapo gesteckt. Die Stadtmusik, etwa 20 Mann, holte uns ab zur Feier, bei der Kathedrale wurde nun zur Prozession ausgezogen. Ohne Bruderschaften nimmt aber kein Volk teil, sondern sie schauen nur ehrfurchtsvoll zu. Aber die Bruderschaften sind sehr zahlreich. Ich habe das im Römischen manchmal gesehen, dass nur die Bruderschaften in Reih und Glied sind, das andere Volk geht nach dem Hochwürdigen bunt durcheinander, aber doch sehr andächtig. Bei dieser Prozession am lb. Herrgottstag waren keine Altare errichtet, sondern es wurde 4 mal bei einer Kirche Halt gemacht, und dann der Segen erteilt. Auch mit grüner Ware habe ich keine Verzierungen gesehen, sondern die bunten Tücher hatten zieren müssen. Aber dieses verstehen die Römer, mit verschiedenen farbigen Tüchern können sie die Kirchen und auch Häuser prachtvoll verzieren. Als wir nachmittags nach Beendigung der Vesper uns in den Ortschaften bei einem Glase Wein gütlich taten, wurden wir durch die Rufe ,,Briganten“, ,,Briganten“, in Schrecken versetzt. Aufspringen und in die Kasernen eilen und dort sofort die Waffen ergreifen, war das erste was wir taten. Als zirka 20 Mann beisammen waren, wurde von dem Sergenten, welcher uns führte, ,,sofort scharf laden“ und „Bajonette auf“ befohlen. Wir glaubten die Briganten seien schon vor dem Tore. Unverweilt wurde aufgebrochen und zum Tore hinaus, auf Feldwegen den Hügel hinabgestürmt, um dann wieder einen anderen Hügel hinaufzustürmen und vor einigen aus Holz und Stroh gebauten Hütten stillzuhalten. Dort wurde ein Brigant, welcher sich nicht mehr hatte flüchten können, gefangengenommen. Auch ein Bauer lag dort verwundet. Obwohl wir auf mehreren Stellen in das Gebüsch, welches die Anhöhe bedeckte, eindrangen, wurde doch von ferneren Briganten nichts mehr verspürt. Die Gegend war aber zu einem Schlupfwinkel für die Briganten sehr geeignet. Es war eine sehr hügelige Landschaft mit tiefen Bachbetten und grossen stark bewaldeten Schluchten durchzogen. Der Brigant wurde nun in die Stadt gebracht. Jetzt ging das Patrouillieren an. Tag und Nacht hatten wir keine Ruhe. Bald mussten wir tags in der grossen Hitze einen steilen Berg 5 bis 6 Stunden angestrengten Marsches ersteigen, dort vom Schweisse ganz triefend angekommen, mussten wir am sehr starken Nachtluft den Briganten aufpassen, um dann bei Tagesanbruch wieder unverrichteter Dinge den Berg hinabzuklettern. Bald mussten wir des nachts irgend einen berüchtigten Wald durchstreifen oder eine abgelegene Ortschaft oder Maierei umzingeln oder einschliessen, um dann ebenfalls wieder des Tages mit langer Nase abzuziehen. Von Veletri auswärts gegen Neapel zu ist glaube ich nicht mancher Wald und nicht mancher Berg, die ich nicht auf den Patrouillen gegen die Briganten durchstreift hätte. Auf diesen Streifereien berührten wir die Ortschaften Lugino, Amorollo, Castro.

Im Juli kam ich unter die Trompeter nach Anagni Diese Stadt ist schöner und grösser gebaut als Ferentino. Der Wein ist auch bedeutend besser und billiger. Nach Anagni ging ich noch gerne, weil der Fidel Gamenzind bei der 7. Comp. auch dort war. Kaum war ich jedoch 2 Tage dort, als er desertierte. In Anagni musste ich keine Patrouillen mitmachen und hatte somit nicht strengen Dienst. Im Oktober kam ich als Trompeter wieder zu meiner Compagnie nach Ferentino bis zum 5. Dezember wo wir in Frosinone und Alatri vorbei, nach Véroli, einer ziemlich grossen Stadt auf einem hohen Bergrücken marschieren mussten. Von hier hatten wir wieder Patrouillen und berührten die Ortschaften St. Franzisko und die Abtei Casimari.

Weihnachten wurde in Véroli sehr feierlich begangen. Der dortige Hochw. Bischof, die gesamte Geistlichkeit und die hohe Regierung wurden mit der prachtvoll uniformierten Stadtmusik von 18 Mann in die Domkirche begleitet. Die hochw. Geistlichkeit, das Domkapitel und die hohe Regierung waren in ihren so imposanten Galakleidern. Wir mussten die Ehrenwache bilden.

Anfangs im Jänner des Jahres 1867 wurden wir wieder auf den Marsch beordert. Die Abreise musste aber wegen sehr starken Schneefalles einen Tag verschoben werden. Den andern Tag war dann der Schnee beinahe geschmolzen und wir marschierten nach Brosedi. Dort wurde für diesen Tag Halt gemacht, den andern Tag marschierte der Capitän mit 3 Sektionen ab nach St. Lorenzo, dort wurde der Leutenant wieder mit 40 Mann nach Vallecorso beordnet, der Hauptmann aber blieb mit dem Rest in St. Lorenzo. Ich war mit der 4. Sektion als Trompeter in Brosedi geblieben. In hier gab es wieder Patrouillen, eine währte sogar 8 Tage. Ja, 8 Tage lang mussten wir herumstreifen, bis wir wieder nach Brosedi konnten. Auf diesen vielen Patrouillen passierten wir wieder die Städte und Flecken Giuliano, St.Lorenzo, St.Sebastiano, Battrika, Maienza, Bistenza, Liberno.

Nach 6 Wochen musste unsere Sektion wieder den Sack packen und nach Liberno. Sehr schöne reinliche Stadt, besonders der Hauptplatz vor der Domkirche ist schön, er ist mit schönen Pomeranzen- und Citronenbäumen bepflanzt, welche damals, weil voll Früchten, einen schönen Anblick boten. In dieser Stadt war ich manchesmal und ging auch immer gerne hin.

Von Liberno ging es nach Fossanuova, wo der hl. Thomas von Aquin starb. Es war dieses früher ein Kloster, jetzt ist es ein Grafensitz. Von Fossanuova wurde dann wieder auf einer guten Bergstrasse aufwärts bis nach Sonnine marschiert. Hier mussten unsere 30 Mann 2 Kasernen beziehen. Sonnine ist eine kleine, sehr gewerbereiche Stadt an einem ziemlich hohen Berg angebaut. Es ist der Geburtsort vom berühmten Cardinal Antonelli. Die Gegend ist sehr rauh und wild. Oliven, Zitronen und Honig- oder Johannesbrotbäume sind die einzigen kultivierten Baumarten, welche dort gedeihen. Wein wird dort keinen gebaut.

Hier nun sollte es mit den Briganten einmal losgehen. Ein Bauer, welchem die Regierung schon lange zugesetzt und gedroht hatte, kam am 14.März anzuzeigen: dass die Briganten den 15.März ihn besuchen werden. In der Nacht vom 14. auf den 15. wurde nun aufgebrochen. Wir waren unsere 15 Scharf schützen, zirka 15 Gendarmen und 10 bewaffnete Bürger, zusammen 40 Mann. Kommandant war ein alter Gendarmen-Oberleutnant. Bei leichtem Regen marschierten wir auf Umwegen zu der Meierei, kamen dort noch vor Tag an und versteckten uns sofort im Hause. Die Fensterläden und die Türen wurden zugemacht, damit kein unbefugtes Auge uns sehen könne. Der Ort oder das Haus lag in einem Olivenwalde, mit Mauern und Felsstücken in weiter Umgebung vermischt, an einem grossen weitverzweigten Berg angelehnt. Es war für die Briganten ein gut gewählter Ort. Während des Tages durften wir kein lautes Wort reden. Der Bauer ging ab und zu hinaus und hinein. Gegen Abend 4 Uhr sagte der Bauer, dass wir uns zum Empfang der Gäste in Bereitschaft setzen sollen. Auf dieses hin wurde die Hälfte der Mannschaft in den Keller beordnet. Ich befand mich unter diesen. Zirka 5 Uhr entstand um das Haus ein Geräusch. Die Briganten waren angekommen, aber anstatt sich in das Haus zu begeben, wie wir vermutet hatten, postierten sich alle hinter die Bäume um das Haus, Auch waren anstatt wie der Bauer gesagt nur 15 bis 40 Briganten gekommen. Der Briganten-Hauptmann forderte mit lauter Stimme den Bauern auf, herauszukommen, auf welche Aufforderung der Bauer wohlweislich nicht Folge leistete, worauf der Briganten-Hauptmann Alonzi die Haustüre einschlug. Als der Gendarmen-Leutnant sah, dass die Briganten nicht in das Haus kommen wollten, gab er Feuer auf sie, ohne jedoch einen zu treffen. Hierauf eröffneten die Briganten ein so heftiges Feuer auf das Haus, dass wir glaubten, es seien mehr als hundert Briganten da. Wir ,in dem Keller ,entfernten von der hinteren Kellertüre die Riegel, womit selbe verschlossen war und stürmten hinaus. Die Briganten ergriffen sofort,unter beständigem Feuer auf uns,die Flucht. Weil wir die Lage nicht genau kannten und es beinahe Nacht war, so konnten wir nur langsam vorrücken, mussten uns aber bald wieder auf das Haus zurückziehen, weil eine Verfolgung der Briganten, deren Zahl wir nicht kannten, bei unserer kleinen Anzahl (es waren nur 18 Mann zur Verfolgung der Briganten ausgerückt, die andern waren beim Hause geblieben) und bei Nacht nicht ratsam war. Wir hatten einen Toten und einen Verwundeten, beide von den Gendarmen. Von den Briganten hatten wir kein Bein erwischt. Am Morgen, nachdem wir die Nacht in dem Hause, aber stets auf der Wacht, zugebracht, kam uns eine Patrouille von Sonino entgegen, eine andere besetzte die Strasse, welche wir passieren mussten, denn die Kunde von dem stattgehabten Kampfe war bis nach Sonino gedrungen. Der gefallene Gendarm wurde den 17.März mit allen militärischen Ehren in Begleit der Stadtmusik (18 Mann stark) zur geweihten Erde in Sonino bestattet.

Als wir 8 Wochen in Sonino waren, mussten wir bei sehr heftigem Regen nach St.Lorenzo marschieren um uns mit der Comp. zu vereinigen. Wir langten ganz bis auf die Haut durchnässt in St.Lorenzo an, trockneten bei einem kleinen Feuer die Kleider so gut es ging und betteten dann uns in das Stroh ein. Morgens marschierte die Compagnie auf einem sehr miserablen Feldwege an die Eisenbahnstation Castro, wir stiegen dort ein, um dann nach 2stündiger Fahrt in Velletri auszusteigen. Unsere Bataillonsmusik war auf dem Bahnhofe mit dem Obersten und seinem Stabe in Bereitschaft, uns in die Stadt Velletri zu begleiten. Velletri ist eine sehr schöne Stadt, zirka 12 Stunden von Rom entfernt (Sonino war über 40 Stunden von Rom, fast an der Grenze von Neapel) mit prachtvollen Kirchen, schönen Strassen und Gebäuden, sowie die schönen Promenaden. Wein wächst hier vorzüglicher.

Am Karsamstag mittags 12 Uhr wurden wir, die wir mit den Gebräuchen dieser Landstätte näch nicht bekannt waren, in Schrecken versetzt. Es ging auf einmal ein bedeutendes Schiessen los und wir meinten wieder die Briganten kommen. Die älteren Soldaten sagten uns aber zur Beruhigung, dass die Bürger durch das Schiessen mit ihren Pistolen und Gewehren ihrer Freude über die glorreiche Auferstehung Christi Ausdruck geben wollen.

Im Mai kam dann wieder die Order, dass wir nach Rom müssen. Obwohl wir gerne auf das Land gegangen waren, noch lieber gingen wir wieder nach Rom. Denn in Rom, das wussten wir jetzt, konnte man doch noch billiger etwas haben als auf dem Lande. Denn da wurde den ganzen Tag auf den öffentlichen Strassen gekocht und gebraten. Gekochte und gebratene Fische, gebratene Polenta, gesottene Erdäpfel, gebratene Kastanien, waren da fast immer zu haben. Nebstdem war Käse verschiedener Sorten, Fleich und Arigoten (ricotta=Quark) sehr billig. Arigoten besonders ist eine gute Speise. Dieser wird aus der Milch gewonnen, ist fett und süss, man braucht ihn für Butter, um Butterbrot zu machen. Für 10 Rp. konnte man so viel Arigoten erhalten, dass ein Mann von dem daraus produzierten Butterbrot sich satt essen konnte.Auch war in Rom mehr Unterhaltung. Auf dem Pinsch, einer grossen prachtvollen Promenade, wo man fast ganz Rom übersehen konnte, spielte in der Woche 4 bis 5 mal eine Feldmusik. Dann hatte man viel Unterhaltung, wenn man nur die 400 Kirchen besuchen und besehen wollte, von den übrigen Sehenswürdigkeiten, Merkwürdigkeiten, Museen, Gemäldegalerien und so weiter nicht zu reden. Auch wurden in Rom sehr viele Feste gefeiert, bald in diesem, bald in jenem Stadtteil, welche sich eines Besuches lohnten. Wir kamen also im Mai 1867 wieder mit Freuden in Rom an und wurden in die Kaserne Ravenna kommandiert. Im Juni wurde das grosse 100jährige St.Peter und Paul-Fest sehr feierlich begangen. Die St.Peterskirche besonders war überaus sinnreich verziert. Es waren bei diesem Feste mehrere hundert Bischöfe anwesend. Die Prozession war entzückend schön. Den Schluss des Festes bildete ein sehr brillantes Feuerwerk, welches zirka 15'000 Franken gekostet haben soll und die 5 Weltteile und verschiedenes anderes darstellte. Es wurde auf dem Pimsch gegen den Platz Popolo und die Stadt zu gegeben. Der Platz Popolo, ein überaus grosser Platz, war gedrängt voll. Man berechnete, dass über 80'000 Menschen auf dem Platze gewesen seien. Fremde Herren, welche schon vieles gesehen und schon weit gereift waren, sagten, dass sie noch nie so etwas gesehen haben. Es waren auch 2 Feldmusiken, jede zirka 50 Mann, auf dem Platze.

In Rom war es strenger Trompeter zu sein und ich mochte es nicht mehr recht aushalten, zu blasen. Deshalb meldete ich mich beim Doktor und wurde dann als Trompeter entlassen. Im Juli brach dann in Rom die Cholera aus. Viele Bürger und Soldaten wurden von dieser Krankheit hinweggerafft. Aus dem Kanton Schwyz waren auch 4 Soldaten an dieser Krankheit gestorben. Auch das Fieber herrschte damals stark unter dem Militär, ich musste auch zweimal als fieberkrank ins Militärspital fahren, war aber jedesmal nach 14 Tagen wieder hergestellt. Im Spital war eine sehr schöne Ordnung. Sobald man im Spital anlangte, wurde man in ein Zimmer geführt, dort erhielt jeder ein reines Hemd, Unterhosen, Socken, eine weisse Kappe und Schlupfschuhe oder Pantoffeln. Diese Kleider musste man sofort anziehen und die andern abgeben. Hierauf wurde man in den Krankensaal geführt. Dieser, sehr gross, mit mehreren hundert Betten angefüllt, welche alle eine Nummer hatten, hatte in der Mitte auch einen Altar. wo alle Sonn- und Feiertage die hl. Messe gelesen wurde. Nach 8 Tagen musste man wieder die Kleider weglegen und andere reinliche anziehen und so oft einer ein Hemd verschwitzt oder etwas verunreinigt hatte, bekam er wieder ein anderes. Auch die Betten waren gut und wurden sehr reinlich gehalten. Die Speisen waren nahrhaft und kräftig und sehr guter Wein. Es bekam jeder, was für seinen Zustand erträglich war. Die Spitalärzte besuchten jeden Kranken 2 mal des Tages. War einer wieder so weit hergestellt, dass er spazierengehen konnte, so erhielt er ein paar Hosen und einen Schlafrock und Kappe von weisser Flanelle. In dieser Kleidung durfte man auf das Dach des Spitals gehen, wo ein grosser Platz zum Spazieren war. Auch waren mehrere Bänke zum Ruhen angebracht. Im Spitalsaal war auch ein Brunnen mit 5 Hahnen und hatte sehr gutes Wasser. Der Saal war auch sehr gross oder hoch, ich glaube 15 bis 20 Schuh und die oberen Fenster waren immer offen, um frische Luft herein zu lassen. Es war bei der grössten Hitze immer kühl im Saale. Dieser Militärspital hatte 2 solche grosse Säle für Fieberkranke, aber dann auch noch Räumlichkeiten für andere Krankheiten. Die ganze Spitalanlage ist fast so gross wie eine kleine Stadt und hat eine eigene Kirche.

Am 22. Oktober ging nun die von den Freimaurern und Garibaldisten schon lange vorbereitete Revolution los. Man hatte schon lange so was gemunkelt, doch etwas ganz bestimmtes hatte man in der Stadt Rom nicht vorgefunden. An der Grenze des Kirchenstaates war es dann schon etwas anderes. Dort tauchten bald da und bald dort Freischaren-Banden auf. Die Zuaven, welche die Grenze hüteten, machten aber kurzen Spass mit denselben. Sie griffen die Freischaren, wo sie sich zeigten, an und schlugen sie, auch wenn sie den Zuaven weit überlegen waren, überall mit grossen Verlusten zurück und jagten sie über die Grenze. Auf die Länge konnten freilich die Zuaven die Grenze nicht vor dem Andringen der Freischaren schützen, weil der Kirchenstaat von mehreren Seiten, von Toscana, Romagna und Neapel zugleich angegriffen wurde und 1 Regiment Zuaven für eine Grenze, welche beinahe 100 Stunden im Umfange hatte, nicht hinreichend war, sie zu beschirmen. Nach mehreren ruhmvollen Gefechten für die Zuaven,wurden dieselben dann von der Grenze zurückgezogen und nach Rom beordert. Hier in der ewigen Stadt war es auch nicht mehr geheuer. Unter verschiedenem Vorwande hatte das Revolutionskomitee offen und geheim eine ziemliche Anzahl Freischaren in die Stadt zu schmuggeln gewusst, und dieselben machten den Soldaten den Dienst sehr beschwerlich. Bald wurde auf eine Truppe Soldaten Bomben geworfen, bald wurden Soldaten, welche etwas tragen mussten und sich der Waffen nicht bedienen konnten, in abgelegenen Strassen unversehends überfallen und getötet. Am 22.Oktober nun versuchten die Freischärler den Hauptputsch. Die Kaserne Seriston, wo die Zuaven waren, wurde in die Luft gesprengt. Zum Glücke waren die Zuaven schon ausgezogen und es war nur die Regimentsmusik und die Wache daheim, welche dann fast alle unter den Trümmern der Kaserne begraben wurden. Auch wollten die Freischaren das Kapitoli, den höchsten Punkt in der Stadt Rom erstürmen, sowie noch einige andere Plätze, wurden aber überall von den päpstlichen Truppen zurückgeschlagen. Man hatte nämlich von dem bevorstehenden Ueberfall eine Ahnung gehabt und deshalb war man bald auf dem Platz. Nach dem 22. Oktober durften die Truppen des Nachts nicht mehr in der Kaserne bleiben, sondern mussten abends ausziehen. Meine Compagnie war den 23.Oktober nachts auf dem Platze Maria Maggiore und Platze St. Giovane, den 24. waren wir auf dem Walle und in den Wallgräben zwischen Porta St.Paul und Porta St.Sebastiano, den 25. auf der Nacht bei St.Peter, hernach St.Paul den 27. wurde auf Monte Rotondo, wo 3 Compagnien päpstliche Truppen von den Freischaren, 8'000 Mann stark, belagert wurden, zumarschiert, um solche zu entsetzen. Wir waren zirka 1'500 Mann stark mit 4 Kanonen. Abends gelangten wir bis auf eine Stunde gegen Monte Rotondo, als nun die Freischaren auf einem sehr steilen Hügel postiert, uns den Weg oder die Strasse nach Monte Rotondo versperrten. Diese Position mussten wir sofort nehmen und wurden deshalb in einer langen Kette den Berg hinaufkommandiert. Als wir auf der Höhe ankamen war es Nacht; aber von den Freischaren sahen wir nichts mehr. So lange wir weit entfernt waren, feuerten sie beständig auf uns ,ohne jedoch zu treffen, als wir aber näher rückten, verstummte das Feuer. Als wir die Bergspitze leer fanden, marschierten wir wieder abwärts und als wir die Strasse erreichten, auf solcher wieder vorwärts gegen Monte Rotondo bis auf eine halbe Stunde Entfernung, dann wurde Halt gemacht und wir konnten im Freien uns niederlegen. Aber ruhig war es nicht. Es wurden ringsum zahlreiche Wachen postiert, von welchen fast jeden Augenblick Lärm gemacht wurde. Ich musste auch eine halbe Stunde Wache stehen und zwar auf einem Posten, wo meine Vorgänger alle noch auf einen vermeintlichen Feind gefeuert hatten. Mir aber wurde beim Aufführen gesagt, dass es ein Esel sei, welcher da weide. Während ich Wache stund, hörte ich immer Geräusch in meiner Nähe ich achtete aber nicht darauf, weil ich glaubte, es sei der Esel. Es hätten aber ebenso gut Freischaren an mich heranschleichen können, denn es war so finster, dass man keine 2 Schritte weit sehen konnte. Als wir einige Stunden gelagert hatten, wurde aufgebrochen, aber anstatt vorwärts, wurde rückwärts marschiert. Wir waren nicht zufrieden und murrten gegen diesen Befehl, als wir aber die Ursache des Rückmarsches erfuhren, waren wir wieder besser zufrieden. Unser Anführer, Herr Oberst Allet, ein Wallisser (er war Oberst bei den Zuaven, hier aber befehligte er die ganze Brigade), hatte Kunde erhalten, dass Monte Rotondo von den Freischaren genommen und die Besatzung schon gefangen weggeführt sei, und so ordnete er wieder den Rückzug an, welcher unter dem Schutze der Nacht glücklich vollbracht wurde. Eine Stunde vor Rom wurde Halt gemacht und dort gelagert, bis Abend, dann konnten wir in unsere Kaserne Ravenna. Morgens in der Frühe Aufbruch um die Freischaren vor den Toren Roms zu verjagen. Als wir aus unseren 2 Kanonen einige Schüsse gefeuert, gaben die Freischaren ,,Bech" oder flüchteten und wir bekamen bloss einige Gefangene. Abends mussten wir auf der Porta Pia bleiben, sowie auch den nächsten und den andern Tag. Hernach konnten wir wieder nach Ravenna.

Am 3.November wurde morgens 3 Uhr aufgebrochen, bei der Porte Pia sammelte sich die Armee, zirka 5'000 Mann, mit Inbegriff der 4 Battaillone Franzosen (Die Franzosen waren nämlich Ende Oktober wieder nach Rom gekommen. Anno 1866 im Sommer hatten sie Rom verlassen, im Oktober 1867 mussten sie wieder nach Rom. Wir hatten sie gerne kommen sehen, denn für unsere kleine Armee wäre die Revolution doch zu stark gewesen, weil unter den Freischaren sich viele regelrechte Piemontesische Truppen befanden. Und hätten die Franzosen Rom nicht besetzt, so wäre die ganze Piemontesische Armee in den Kirchenstaat eingerückt.) Die Zuaven, welche angreifen wollten, marschierten voraus, die Scharfschützen nachher, dann die Legione die Antibes von Mexiko, hernach die Artillerie und Kavallerie. Die 4 Battaillone Franzosen machten einen andern Weg, um dem Feinde in die Flanke zu kommen. Ungefähr um Mittag wurde von den Zuaven angegriffen. Die Freischaren hatten ein sehr gut zu verteidigendes Terrain besetzt. Hügel, bewaldete Schluchten, daneben stark ummauerte Weinberge, befestigte Maierhöfli, bildeten die Umgebung von Mentana. Aber die Zuaven machten nicht viel Federlesens, mit dem Bajonett stürmten sie auf die Freischaren los und trieben sie zurück, Wir Schweizer mussten die Zuaven unterstützen und taten solches auch mutig. Hatten wir ja an den Zuaven ein ausgezeichnetes Beispiel von Tapferkeit und Unerschrockenheit. Da bewahrheitete sich wieder, dass religiöse Soldaten die zuverlässigsten und tapfersten sind. Zirka nach 2 bis 3 Stunden waren den Freischaren fast alle Höhen um Mentana entrissen und sie bis auf das Städtlein Mentana zurückgedrängt. Nachts wurde auf den eroberten Höhen biwakiert. Morgens sendeten die Freischaren einen Parlamentär und wollten Mentana mit der Bedingung eines freien Abzuges übergeben, Es wurde ihnen aber geantwortet, dass sie sich auf Gnade und Ungnade zu ergeben hätten, worauf die Uebergabe nach kurzer Frist erfolgte. Unser Battaillon musste dann sofort aufbrechen und 1'600 gefangene Freischaren nach Rom führen. Tote und Verwundete gab es in dieser Schlacht auf Seite der Freischaren 2'000. Wir hatten mit Inbegriff der Franzosen zirka 140 Tote und Verwundete, Mit der Schlacht von Mentana war die Revolution nun total geschlagen. Nur einige versprengte Garibaldiner, welche nicht mehr heim durften, bildeten noch kleinere Banden, waren aber mehr Briganten oder Räuberbanden. Am 6.November 1867 musste die 1. und 2. Compagnie nach Velletri. Einige Tage hernach mussten wir nach Segni aufbrechen, um eine von den oben bezeichneten Banden aufzuheben. Zu dieser Patrouille waren nur von jeder Compagnie 20 Mann beordert, ich war auch dabei. Wir kamen nachts in Segni an. Morgens wurde früh in Begleitung von vielen Gendarmen aufgebrochen und in 2 Abteilungen einen Berg durchstreift, bekamen aber keinen Briganten, nur aus der Ferne sahen wir einige Personen mit aller Schnelligkeit flüchten, konnten sie aber nicht erreichen. Es fielen uns aber viele Kleidungsstücke sowie verschiedene Waffen, welche die Briganten,um schneller fortzukommen,weggeworfen hatten, in die Hände. Abends kamen wir wieder nach Segni zurück. Morgens wurde bei heftigem Regen wieder aufgebrochen und ein anderer Berg durchstreift. Als wir auf der Spitze des Berges waren, fing es sehr stark an zu hageln, sodass wir so rasch als möglich unter den Bäumen des Waldes Schutz suchen mussten. Ein Feuer anzuzünden, um uns zu erwärmen, mussten wir nach vielen vergeblichen Versuchen wieder aufgeben. Als das Wetter etwas besserte, rutschten wir wieder auf einer andern Seite den Berg hinab. Gehen hätten wir auf diesem Wege nicht können. Es war so schlipferig, dass man fast nicht stehen konnte. Als wir nach einem sehr mühsamen Marsche nach Cori kamen, war es ziemlich Abend geworden. Es wurde uns in dem Lokal, wo wir unterkamen, im Kamin ein Feuer angezündet, wo wir etwas Kleider trocknen konnten, jedoch Hemd und Hosen konnten wir nicht trocknen, weil wir solche nicht wechseln konnten und so mussten wir mit nassem Hemd und Hosen in das Stroh liegen. Morgens kauften einige der Unsrigen Schweinefleisch (auf Patrouillen mussten wir uns immer selbst verköstigen, wir bekamen per Tag einen Franken. Aus diesem mussten wir leben und konnten uns einrichten wie wir wollten). Mit diesem Schweinefleisch begaben wir uns in eine Wirtschaft und liessen solches in der Pfanne braten, dieses verzehrten wir mit Brot und Wein und stärkten uns so wacker auf den bevorstehenden Marsch. Nach Velletri und Segni hatten wir per Eisenbahn fahren können, von Gon nach Velletri mussten wir zu Fuss. Wir kamen glücklich über Gurinelle, eine sehr fruchtbare Gegend, wieder nach Velletri.

Am 26. November 1867 wurden wir per Eisenbahn wieder nach Rom befördert und mussten in Campo Vacino Garnison beziehen. Hier hatten wir noch sehr strengen Dienst.

Am 8.Dezember kam mein Bruder Josef auch nach Rom und jetzt war mein Wunsch, in Rom zu bleiben und unter die päpstliche Garde zu gehen, zu Nichte geworden. Denn jetzt musste ich, wollte ich ein guter Sohn sein, nach Ablauf meiner Dienstzeit, welche am 28.Februar 1868 zu Ende ging, nach Hause gehen und meine Mutter erhalten und unterstützen.

Meine Compagnie musste am 12.Dezember fort nach der Toskanischen Grenze, ich musste zurückbleiben, weil ich einen kranken Fuss hatte. Am 20.Dezember war ich wieder hergestellt und wurde nun mit noch 18 Anderen ebenfalls nach der Toskanischen Grenze geführt, um die 1. und 2. Compagnie dort zu verstärken. Wir kamen über Monte Rosa, Viterbo, Monte Fiascone, Bolsegni, St.Lorenzo, am 25.Dezember endlich in Aquapendente an. Dieses ist eine kleine Stadt, nahe der toskanischen Grenze und ganz in ein Tal eingezwängt. Als wir hier waren, schneite es anfangs im Januar 1868 tüchtig und war ziemlich kalt und wir hatten keine Betten, sondern nur einen Strohsack auf blossem Steinboden und eine Rossdecke. Dass wir da nicht gut schliefen, versteht sich von selbst. Es war nur meine Compagnie im Orte und wir mussten alle Nächte 12 Mann den Gendarmen geben, welche dann mit ihnen die ganze Nacht alle Strassen und Gässchen der Stadt durchstreifen mussten. Nebstdem wurden noch alle Tage zirka 20 Mann auf die Wache kommandiert. Diese hatten dann Tag und Nacht Wache. Der Dienst war da sehr streng. Exerziert wurde nicht, aber hie und da ein Streifzug in eine benachbarte Ortschaft gemacht.

Am 12.Januar 1868 marschierten wir wieder nach Rom ab In St.Lorenzo stiess die 2. Comp. wieder zu uns. Am 17. langten wir in Rom an und wurden vom Stabe und der Regimentsmusik empfangen.Unter den erhebenden und begeisterten Weisen derselben stolzierten wir durch den Corso, die schönste, prachtvollste und reichste Strasse Roms. Auf Piazza Tranjano wurden wir von dem Oberst und der Musik

verabschiedet und unsere Compagnie bezog die Garnison auf St. Gregori, etwas vom weltbekannten Colosseum entfernt.

Am Februar war dann Carneval, das ist Fassnacht. Da wird an bestimmten Tagen von mittags 1 Uhr an auf dem Corso ein buntes Leben getrieben. Die Balkone und Altanen sind mit allerlei farbigen Tüchern behangen und die vornehme Welt Roms nimmt auf diesen Altanen Platz, um Blumen und Gipskügelchen auf die in geschmückten Wagen vorbeifahrenden Masken zu werfen. Auf jedem der 4 bis 5 Plätze dieser Strasse ist Militär (2 bis 3 Compagnien) aufgestellt und eine grössere Militärmusik spielt fortwährend auf jedem dieser Plätze. Dieses dauert bis 3 Uhr nachmittags, dann erfolgen Kanonenschüsse, hierauf ein Pferderennen durch den Corso. Nach diesem ist dann der Carneval für diesen Tag geschlossen. Von Maskengehen den ganzen Tag und von Maskentänzen, sowie auch andern Tänzen, wie sie hier üblich sind, habe ich in Rom keine gesehen und doch hat sich das Römer Volk gefreut und hat sich auch gut unterhalten. Man kann sich freuen und fröhlich sein und braucht keine solchen sündhaften,Geld, Zeit, Gesundheit und Sittlichkeit raubenden Tänze aufzuführen und zu besuchen, wie es hier und der Umgebung der Brauch ist. Das habe ich in Rom gesehen. Am Maria Lichtmess ist in St.Peter ein grosses Fest. Unser Battaillon musste auch dorthin ausrücken und sich in der Kirche aufstellen. Der hl.Vater, Papst Pius IX. wurde damals ganz in meiner Nähe vorbeigetragen und ich konnte sein mildes und freundliches Antlitz gut betrachten.

Anfangs März wurden uns auch die Ehrenzeichen, die wir bei Mentana verdient, verabfolgt. Am 16.März konnte ich nebst denen, die die 2 Jahre Dienstzeit umhatten, abgeben. Es war an einem Samstage und ich freute mich sehr, dass wir noch bis zum 22. März in Rom bleiben konnten, ich wollte die Merkwürdigkeiten Roms so viel wie möglich noch einmal betrachten. Als ich aber abends in die Kaserne St. Gregori kam, hiess es anders. Man sagte uns, der Oberst habe verordnet, dass alle, die den Dienst verlassen, so lange sie in Rom seien, in den Kasernen arbeiten, nämlich Wasser in die Küche tragen, das Brot in der Stadt holen, die übrigen Lebensmittel zutragen, die Zimmer in der Kaserne bewachen sollen. Wir glaubten, man wolle uns etwas aufbinden und dann uns auslachen, wir sagten aber doch zueinander, dass wir die Arbeiten nicht verrichten wollen, denn mit diesen Kleidern die wir anhaben, müssen wir heimgehen und die wollen wir nicht noch in den letzten Tagen beschmutzen. Es hatte nämlich jeder nur einen Anzug. Morgens bei der Tagwache um 5 Uhr wurde wirklich jedem von uns Arbeit zugewiesen. Es waren unserer 12 die heim wollten von der l.Compagnie. Ich und 3 Kameraden stehen sofort auf, kleiden uns an und verlassen die Kaserne, um erst wieder abends 8 Uhr heimzukehren. Die beiden Kameraden, ein Appenzeller und ein St.Galler, sagten mir, dass wir die Arbeiten schon bleiben lassen dürfen, denn mit den Abschiedlern nehme man es nicht mehr so genau. Ich liess mich überreden und blieb den ganzen Tag fort. Ich ging zuerst nach St.Peter, dann wieder auf die Engelsburg und dann auf den Pimpsch, mittags wieder auf St. Peter. Dem Balz Rigert, welchen ich dort besuchte, teilte ich meine Lage mit und er meinte auch, dass wir mit einer geringen Busse davonkommen und man uns dann in Ruhe lassen werde. Mit Herrn Rigert, Marcel Müller und dem Schinderkarli, welcher auch seit kurzer Zeit in Rom unter der Garde war, machten wir einen Ausflug zum Cartschoffeli, eine Gartenwirtschaft, und wir hatten eine sehr gute Unterhaltung. Jetzt sind die beiden Hochw. Herren Gardisten schon in der Ewigkeit und der lb.Gott wolle ihnen die ewige Ruhe geben und das ewige Licht leuchten lassen. Amen.

Als wir abends 8 Uhr in die Kaserne kamen, wurden wir sofort in das Bolis eingesperrt, morgens dann in den Hauptarrest nach Campo Vacino geführt. Als die Order vom Oberst kam, forschten wir nach, wieviel Strafe wir erhalten haben und es hiess 2 Tage und 2 Nächte Bolis. Aber der Hauptmann Masseschen wollte uns auch mit dem römischen Militärdienst gründlich verfeinden und so liess er uns im Bolis bis den 21. abends 8 Uhr und den 22., morgens 5 Uhr, mussten wir per Eisenbahn Rom verlassen. Seit dem Sonntag, 17.März, konnten wir die Stadt Rom nicht mehr sehen, sondern waren eingesperrt. Dass wir uns über die Gerechtigkeit und Billigkeit unseres Hauptmanns sehr ärgerten, muss nicht erst gesagt werden. Wie gesagt, die Freimaurer hätten keine ärgeren Offiziere dem hl.Vater aufhalsen können als die Schweizeroffiziere waren, welche in Rom gewesen sind.

Nun, es ist vorbei - zirka 8 Uhr vormittags langten wir in Civittavechia an. Um 11 Uhr mussten wir einen Schraubendampfer besteigen und dampften sofort nach Genua ab. Diese Fahrt auf dem Meere war vom schönsten Wetter begünstigt und ziemlich angenehm. Wir fuhren ohne Unterbrechung bis nach Genua, wo wir wohlbehalten am 23.März, 9 Uhr morgens, anlangten. Dort wurden wir beim Aussteigen sofort von Gendarmene in Empfang genommen und von ihnen fast durch die ganze Stadt, bald in dieses, bald in jenes Polizeibüro geführt. Endlich wollten wir uns nicht mehr länger herumführen lassen und erklärten, dass wir heim wollten, worauf diejenigen, welche Reisegeld besassen, entlassen wurden. Die übrigen mussten zurückbleiben. Ich hatte mir soviel erübrigt, dass ich die Reise bestreiten konnte und so machten wir uns, sobald wir noch etwas in einem Restaurant zu Mittag genossen, nach dem Bahnhofe auf, wo wir die Billetts nach Arona lösten, es kostete 9 Fr. 75 ct. Von Rom bis nach Genua habe ich für Bahn und Dampfschiff Fr.12 45 ct. bezahlt. Zwölf Uhr mittags fuhren wir von Genua ab und kamen nach Alessandria Stadt und Festung. Abends 5 Uhr nach Novarra, Grosstadt. Hier hat der österreichische General Radezki den Piemontesen anno 1848 eine grosse Niederlage beigebracht. Mailand sahen wir in einer Entfernung von 2 bis 3 Stunden. Abends 8 Uhr wurde von Novarra wieder abgefahren und wir langten nachts 11 Uhr in Arona an. Ein Italiener, welcher auch unter den Freischaren in Mentana gefangen genommen und von uns nach Rom transportiert worden war, empfing uns am Bahnhof und lud uns zu sich ein. Er hatte das ,,Alberge di Svizzeri" oder den ,,Gasthof zu den Schweizern". Wir waren bei ihm sehr gut aufgehoben und lebten dort billig. Er rühmte aber auch die gute Behandlung, welche er als Kriegsgefangener von den päpstlichen Truppen und von der päpstlichen Regierung empfangen hatte. Morgens 5 Uhr mussten wir uns in Arona, welches am Langensee liegt, auf ein Dampfschiff begeben und für die Fahrt bis Magadine 3 Fr.95 ct. bezahlen. Am 24. mittags 10 Uhr langten wir dort an und hatten 5 Stunden zur Fahrt gebraucht. Von da marschierten wir zu Fuss nach Bellinzona und bis Lumino. Dort hatten wir Nachtlager. Am 25. kamen wir über Faido nach Airolo, hier blieben wir über Nacht. Durch das lange Tal von Bellinzona bis Faido ist fast jede Viertelstunde eine Ortschaft. Es war aber damals zu kalt, als dass ich immer Buch und Bleistift zur Hand nehmen wollte, um alles aufzuschreiben. Schnee hatte es keinen, aber einen heftigen, sehr kalten Biswind. In Airolo hatten wir ein so kaltes Zimmer, dass wir die ganze Nacht nicht schlafen konnten. Morgens setzten wir uns wieder in Bewegung und erreichten endlich nach sehr grosser Anstrengung (denn es hatte viel, sehr viel Schnee) das Hospitz auf dem Gotthard. Hier bekamen wir unentgeltlich Suppe und Brot. Von da ging es wieder bergab und wir erreichten bald die Ortschaft Hospental, wo wir uns bei sehr gutem Most wieder einmal gütlich taten. In Andermatt kehrten wir nicht ein, wohl aber, nachdem wir das Urnerloch und die Teufelsbrücke passiert, in dem Dörfchen Göschenen. Bei Wassen hielten wir uns auch nicht auf, sondern marschierten bis nach Intschi, ein sehr kleines Oertchen ob Amsteg. Dort hielten wir Nachtruhe. Morgens wollten wir wieder einmal, nach 2 Jahren das erste Mal, einen rechten Milchkaffee trinken und erhielten sehr billig einen grossen Krug voll. Am 27.März marschierten wir über Amsteg und Silenen unter sehr heftigem Schneegestöber, Schattdorf, Altdorf, Flüelen zu. Hier trafen wir auf dem Dampfschiff den Capitän Meier und der hatte die Güte und nahm auf unsere Bitte uns 4 römische Soldaten (von Rom waren unserer 50 Soldaten fort und in Flüelen waren noch unserer 4 beieinander, 1 Schwyzer, 2 Solothurner und ich) unentgeltlich mit. ½4 Uhr langte ich endlich wohlbehalten wieder in meiner Heimat in Gersau an und wurde von meiner Mutter und meinen Freunden gut aufgenommen. Am 28. lernte ich bei einem Besuche des besten Freundes, Karl Baggenstos, seine Schwester Rosa kennen und von diesem Augenblicke an war es mein heissester Wunsch, solche möchte als meine treue Gefährtin mich durch das Leben begleiten. Der liebe Gott, an den ich mich in inbrünstigem Gebete wandte, hat diesen, mein sehnlichster Wunsch, erfüllt und mich sehr glücklich gemacht. Ich hoffe, seine Gnade werde uns auch fernerhin beistehen, sodass wir auch einmal in die ewige Heimat einkehren können. Gott wolle dieses uns allen geben. Amen.



Ich kann diesen kurzen Bericht nicht schliessen, ohne noch einmal der göttlichen Vorsehung für den Schutz und Beistand, welchen ich in allen Gefahren im Schlachtengetümmel, ja überall erfahren, von Herzen meinen innigsten Dank auszusprechen und diesen Schutz und die Hilfe in allen Nöten, der Fürbitte der allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria und des hl. Nährvaters Josef zuzuschreiben, zu welchen ich immer eine grosse Verehrung getragen habe und noch tragen werde und welches ich hiemit auch sehr angelegentlich meinen lieben Kindern will anempfohlen haben.

Gersau im Dezember 1879. J.M.Müller, Landweibel



BRIEF AUS ROM

Rom, den 26.November 1867


Meine liebe, beste Mutter,


Da ich nun einmal Zeit erübrige, so ergreife ich die Feder um Ihnen zu schreiben, dass ich mich gesund und wohl befinde und Ihnen meine Erlebnisse in letzter Zeit zu berichten. Dieses Jahr war ein unheilvolles für die päpstlichen Truppen, besonders für die fremden Schützen, für uns. Im April und Mai waren es die Vergiftungen, welche uns 18 Mann als Opfer forderten. Im Juli und August war es der unerhört heisse Sommer, welcher durch das Fieber und die Cholera viele Soldaten und manche meiner besten Kameraden dahinraffte. Und im Herbst, als die Hitze gebrochen war und man unter einer kühleren Luft freier atmete, kam dann, um allem Unglück die Krone aufzusetzen, die Revolution, welche durch die meuchelmörderischen Anstrengungen, die sie machte und ihren Zweck zu erreichen, zahllosen Soldaten das Leben raubte. Wir hatten in dieser Zeit Tag und Nacht keine Ruhe. Wir waren schon zweimal, dass ich dabei war, gegen die Garibaldiner zu Felde gezogen, aber allemal räumten sie das Feld, ehe wir sie recht getroffen hatten. Endlich sollte das einmal los gehen, wir waren sehr falsch über die Garibaldiner, immer hatten wir alle Strapazen welche ein Feldzug erheischt, mitgemacht ohne etwas geleistet zu haben. Es war am 3. ds. November als päpstliche und französische Truppen, zusammen 6'000 Mann vor Rom morgens früh um 4 Uhr aufbrachen und gegen Monte Rotondo zumarschierten. Auf der Ebene Mentana machten und tranken wir unseren Kaffee. Als wir hier eine Stunde geruht hatten, marschierten wir frohen Mutes vorwärts, nicht glaubend, dass die Freischärler sich mit uns messen dürften, bis wir endlich die Schüsse knallen hörten. Voraus marschierten die Zuaven (ein Regiment), dann kamen wir, 6. Comp. fremde Schützen, hinter uns die Legion und die 3 Sektionen Artillerie, die Franzosen waren auf einem anderen Wege begriffen. Ich musste mit meiner Comp. (linke Flanke) ein Gebüsch durchstreifen, in welchem sich die Garibaldiner zugleich befanden. Sie wurden die meisten in unserem Zorn niedergemacht, warum, das werde ich Ihnen, so Gott mir das Leben schenkt, mündlich sagen im nächsten Frühjahr. Schon bevor die Franzosen herannahten, hatten wir den Freischärlern schon alle Höhen abgenommen trotz der Tapferkeit, die sie zeigten, und sie auf allen Punkten zurückgedrängt. Als nun die Franzosen kamen, wurden sie gänzlich zurückgetrieben mit Ausnahme der Besatzung die in Mentana zurückgeblieben war. Die hielten sich noch bis an dem andern Morgen. Obwohl sie unzählige Tote hatten und die Häuser an allen Enden brannten. Wir waren bei der Schlacht 5 bis 6000 Mann stark,mitinbegriffen die Franzosen und verloren 120 Mann Verwundete und 30 Mann Tote. Die Garibaldiner waren 17 Bataillone, etwa 15'000 Mann und verloren 1000 Tote und 1600 Gefangene. Verwundete hatten sie nicht viele.

Viele herzliche Grüsse an meinen lieben Freund Karl und seinen Vater und Geschwister, sagen Sie ihm, er solle mir bald, sehr bald schreiben und ich bitte Sie, geben Sie ihm ein kleines Brieflein mit, aber Sie müssen leichtes Papier nehmen und fein schreiben, sonst kostet es viel. Geben Sie dem Karl den Brief zu lesen. Grüssen Sie mir alles, was mir nachfrägt.


Es grüsst Sie und meinen lb.Bruder herzlich und vielmal.

Euer dankbarer Sohn,


Josef M.Müller, Bataillon Garabiniere 1, Comp. à Roma



Von der Erbteilung der Hinterlassenschaft ihres Vaters Anton Baggenstos sel. (Tschuoplis) hat meine Frau Rosa folgendes erhalten:

a) An Wertschaften:


1. Vom Kaufresten des Hauses No.227 des Grundbuches in Gersau zu

vorderst zu verschreiben Fr. 201.50

2. Der Zins von No.227 von Fr.3,8l6.99

1.November 1880 bis 1.Juni 1881 = Fr. 95.42

3. Vom Kaufresten auf dem Heimwesen "Untern Strick"

in Gersau worauf zu verschreiben Fr. 853.08


Fr.1,150.-


b) Ferner erhielt sie noch:

Ein fast neuer Anzug mit Hauptkissenanzug und

2 guten Hemden, nebst etwas alten schlechten Kleidern


Gersau den 25.Juni 1881 dieses bescheinet J. M. Müller, Landweibel


Für den Kaufresten des Hauses Nr.227

nebst den Zins von denselben mit Zusammen Fr. 296.92


hat meine Frau von ihrem Bruder Josef Maria

Baggenstos folgendes erhalten


1. Ein Kapital haftend auf Heinrich Küttel und

kostet in hier von Fr. 263.78

Der Zins hievon vom 30. Nov. bis l. Juni 1881 Fr. 6.59

Ein blauer Tuchmantel mit Kragen Fr. 15.--

an bar oder an Ware erhalten Fr. 11.60

erfüllt obige Summe von Fr. 296.92



Gersau, den 29. Juli 1881


J.M.Müller, Landweibel



VERZEICHNIS der BÜCHER


Religiöse Erbauungsbücher gebunden:


1. Das Leben unseres Herrn Jesus Christus von Businger

2. Die Glaubens- und Sittenlehre von Rolfus und Brändle, 2.Bände

3. Das Leben des hl. Gottes von R. Theodosius Florentini 4 Bände

4. Das Goffin oder Evangelienbuch von R. Theodosius Florentini

5. Das St. Anna-Buch (Druckerei Innsbruck)

6. Das St. Josefs-Buch von R. Theod. Florentini

7. Wegweiser für Eheleute von R. Effinger

8. Lehr- und Gebetbuch für Eheleute von Nägeli

5. Die Gnaden- und Wallfahrtskapelle z. Marie Sonnenberg v. Furrer

10. Der sel.Nikolaus von der Flüe von Ming

11. Der Weg zum Himmel von Srupuli

12. Das St. Josefsblatt von Lang

13. Das Lebensbilder von Neith.


Unterhaltungsbücher gebunden:


1. Der Silvio 2 Bände von Laicus

2. Das arme Mädchen von Casimari

3. Der Feldzug der Revolution gegen Rom 1867 von Moor

4. Buch für Langweile von Ingenbohl

5. Die Erscheinungen von Margingen und der Hausfreund

6. Gesammelte Erzählungen von Bolanden

7. Der Bucherfranz und die letzten Tage eines Altkatholiken

8. Sonntags Daheim, 4.kl. Bände zusammengebunden


Broschierte Bücher, Unterhaltungsbücher:


1. Die kath.Missionen von Herder 1880

2. Die alte und neue Welt (Jahrgänge 1875, 1876, 1875, 1880)

3. Kurze Geschichte des Freistaates Gersau

4. Das Silabusbüchlein

5. Die Freimaurer, v.Segur

6. Der Minister,von Holzwarth


Broschierte Bücher religiösen Inhalts:

1. Was ist die Kirche v. Segur

2. Kurze Antworten gegen die Einwürfe der kath.Religion

3. Das Papsttum, v. Segur

4. Die hl. Messe v. Segur

5. Die hl. Kommunion v. Segur

6. Das Vaterunser v. Alban Stolz